500 Jahre Leipziger Disputation - Auf den Spuren der Reformation


Auftaktkonzert des Schulposaunenchores und der Bläsergruppe am 19.05.19 in der Stadtkirche in Homberg, in der Philipp der Großmütige 1526 auf der Landes-Synode die Reformation in Kurhessen einführte

 

Der Schulposaunenchor wandelt mit seinem Konzertprojekt auf den Spuren der Reformation und besucht dabei historische Orte.

Zum Auftakt eines Konzertprojekts spielt der Schulposaunenchor der Melanchthon-Schule Steinatal zusammen mit der Bläsergruppe des Posaunenwerkes der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck unter der Leitung von Landesposaunenwart Ulrich Rebmann sein erstes Konzert in der ev. Stadtkirche in Homberg/Efze, in welcher auf der Synode von 1526 Landgraf Philipp der Großmütige die Reformation in Kurhessen einführte.

      

Die Schulposaunenchöre Leipzig und Steinatal spielen mit Unterstützung der Bläsergruppe des Posaunenwerkes ihr parallel erarbeitetes Programm in der Propsteikirche in Leipzig. Mit dem Programm erinnern die Musizierenden an die "Leipziger Disputation", die vor 500 Jahren in der Leipziger Pleißenburg - dort wo heute das neue Rathaus steht -  stattfand. Direkt gegenüber des historischen Ortes steht heute die 2014/15 wiederaufgebaute kath. Propsteikirche, in welcher das Konzert ausgetragen wurde. Die "Leipziger Disputation" war ein Streitgespräch, das zwischen den Wittenbergern Martin Luther und Andreas Karlstadt zu Bodenstein auf der einen Seite und Johannes Eck und weiteren Vertretern der katholischen Kirche auf der anderen Seite stattfand. Das Streitgespräch dauerte damals 3 Wochen lang und  führte zum endgültigen Bruch der Protestanten mit dem Papsttum.

  

Bereits in den Herbstferien trafen sich die beiden Schulposaunenchöre in der ev. Jugendbildungsstätte in Bad Hersfeld, um mit dem Einüben des umfangreichen und anspruchsvollen Konzertprogramms zu beginnen. Dabei konnten die schon länger gepflegten Kontakte zwischen den beiden Schulposaunenchören intensiviert und neue Freundschaften geschlossen werden. Am Freitag vor dem Konzert in Leipzig gab es am Nachmittag gleich eine gemeinsame Probe aller Bläserinnen und Bläser im ev. Schulzentrum in Leipzig in der Mensa (siehe Bilder). Anschließend wurden wir zum Abendbrot von den Eltern des Leipziger Schulposaunenchores mit gegrillten Würstchen und mundgerecht dargebotenen Gemüse belohnt.    

Das Bild zeigt die knapp 50 Bläserinnen und Bläser geschafft, aber auch glücklich und zufrieden direkt nach dem Konzert.

In dem Konzert wurde die Auftragskomposition "Leipziger Disputation 1519" von Simon Schmider für 11 Bläserstimmen, Orgel, Pauken und Schlagwerk uraufgeführt. Neben sinfonischer Musik von Johannes Matthias Michel und Théodore Dubois erklangen auch populäre Musiktitel bis hin zu Peter Maffay's "Nessajas Lied - Ich wollte nie erwachsen sein" aus seiner Rockoper "Tabaluga" als Antwort auf einen in der Leipziger Disputation vehement geführten Streitpunkt: Die Frage um die Willensfreiheit. Lieder von Martin Luther und von Komponisten und Textdichtern aus unserer Zeit, bei denen die Zuhörerinnen und Zuhörer zum Mitsingen eingeladen waren, vervollständigten das Programm. Ein weiterer Höhepunkt des Konzerts waren die Beiträge von Prof. Dr. Armin Kohnle und Propst Gregor Giele, die in einem szenischen Disput (etwas unfreiwillig in schwäbisch und sächsisch eingefärbt) die damalige Auseinandersetzung lebendig werden ließen. Armin Kohnle, Inhaber des Lehrstuhls für Kirchengeschichte an der evangelischen Fakultät der Universität Leipzig, gilt als Experte zum Thema "Leipziger Disputation".

Die Unterkunft der Steinataler Musizierenden lag mitten im Zentrum von Leipzig, so dass sich die Stadt bei hervorragendem Wetter bestens zu Fuß erkunden ließ. Ein weiterer Höhepunkt war die Turmbesteigung der Thomaskirche bei strahlendem Sonnenschein. Auf diesem Bild blickt man vom Kirchturm der Thomaskirche direkt auf das neue Rathaus, an deren Stelle einst die Pleißenburg stand, dem Austragungsort der "Leipziger Disputation". Direkt links neben dem Turm des neuen Rathauses ist im Hintergrund die rechteckige Spitze des Kirchturms der Prospteikirche mit Kreuz zu sehen, wo wir unser Konzert spielen durften.

 

Ein Blick vom Kirchturm nach unten lässt die luftigen Höhen erahnen. Beeindruckend war auch der Blick ins Innere des riesigen Dachstuhls mit ungezählten riesigen Dachbalken und der Glockenanlage.

Das ist nicht der Türmer der Thomaskirche Leipzig, sondern der Leiter des Schulposaunenchores des Evangelischen Schulzentrums in Leipzig, Nikolai Kähler, der uns führte und dieses Wochenende für uns ermöglichte. Ein herzliches Dankeschön auch an dieser Stelle!

Ebenfalls dort oben zu sehen war die ehemalige Wohnung des Türmers, der bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Kirchturm wohnte und auf seinem Türmer-Horn der Bevölkerung in Leipzig zu bestimmten Tagzeiten Choräle spielte oder z.B. bei Feuer Alarmsignale von sich gab.

Die Thomaskirche - vor 300 Jahren der Wirkungsort von Johann Sebastian Bach als Thomaskantor - gut 200 Jahre nach der "Leipziger Disputation". Die Thomaskirche ist auch Heimat des ältesten (seit 1212) und berühmtesten Knabenchores der Welt - dem Thomanerchor Leipzig. Ein weiterer Höhepunkt für uns Steinataler war der Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes, in dem der Thomanerchor mit Chorsätzen von Monteverdi, Schütz und Telemann die Liturgie auf höchste Weise vollendete und einen entrückenden und einzigartigen Hörgenuss bot. Gänsehaut-Momente pur...

Dieses Kirchenfester im Seitenschiff der Thomaskirche zeigt (links) Kurfürst Friedrich den Weisen, (in der Mitte) Martin Luther und (rechts) Philipp Melanchthon.

Bestaunen des Inneren des Gotteshauses.

In Kürze treffen sich die beiden Schulposaunenchöre und die Bläsergruppe des Posaunenwerkes erneut, um auf Einladung des Deutschen Evangelischen Kirchentages das Konzert in Dortmund zu wiederholen. Das Konzert findet statt am Samstag, den 22. Juni 2019, 16.30 h in der Stiftskirche St. Clara, Am Stift 8 in Dortmund-Hörde. Herzliche Einladung an alle Interessierte!

Abschließend möchten wir für alle finanzielle Unterstützung zur Realisierung des Konzertprojekts herzlich danken: Dem Posaunenwerk der Evangelischen Kirche von Kurhessen Waldeck und hier besonders dem Vorsitzenden Herrn Pfr. Jörg Scheer, sowie dem Eltern- und Förderverein der Melanchthon-Schule Steinatal und hier besonders dem Vorsitzenden Herrn Michael Morgenroth!

 

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